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"Edward von Malotki ist Centerleiter in Freiburg. Im Interview erzählt er von den Erlebnissen eines sehr mobilen Tages…"





"Er hat mich mit seinem Wissen absolut beeindruckt."

Gute Basisarbeit

Viele Organisationen und Unternehmen begegnen früher oder später demselben Dilemma: Ebenen, Abteilungen und Mitarbeiter sind zu weit voneinander entfernt, so dass manches Mal die linke Hand nicht weiß, was die rechte tut. Und die leitenden Köpfe sehen zwar die großen Zusammenhänge, aber nicht die Details des Alltags. arriva hat darum den „Tag mit dem Zusteller“ eingeführt, der Bereichs- und Schichtleitern einen Einblick in die Arbeit derer gibt, die für arriva und die Kunden täglich mit vollem Einsatz unterwegs sind.

„Ganz neue Perspektiven!“

Edward von Malotki erzählt vom Tag mit dem Zusteller

Bei arriva gehört der „Tag mit dem Zusteller“ fest dazu.

dcs: Mal Hand aufs Herz: auf einer Skala von 1 bis 10, wobei 10 das absolut beste Superzustellertalent aller Zeiten ist – welche Note würden Sie sich selbst geben?
E. v. Malotki: Von der Motivation her und meiner Vorstellung, wie ich als Zusteller agiere, hätte ich mir vor meinem Praxistag wohl locker eine 8 oder 9 gegeben. Es kann doch nicht so schwierig sein, Briefe in einen Briefkasten zu stecken, dachte ich mir. Die Realität hat mich dann aber schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeführt. Die unterschiedlichen Formate und Gewichte der Briefsendungen, die Beachtung der optimalen Gangfolge und das Balancieren mit dem Zustellerfahrrad auf dem Bürgersteig haben mich schnell an meine Grenzen gebracht. Zusätzlich soll man trotz der Anforderungen immer cool und gelassen wirken und Menschen freundlich begegnen. Ich würde mir daher im Nachhinein wohl mit sehr viel Mitleid eine 4 – 5 geben!

dcs: Gibt es Erlebnisse, die Ihnen besonders im Gedächtnis hängen geblieben sind?
E. v. Malotki: Wir trafen uns um 5.00 Uhr im Zustellstützpunkt, zum Vorsortieren der Briefsendungen nach Gangfolge. Ich war überrascht, wie fit die Zusteller um diese undankbare Uhrzeit waren. Ich musste meinem Betreuer, Herrn Gilbert, bei der Sortierung helfen. Eine große Unterstützung bin ich um diese Uhrzeit nicht gewesen, da meine Augen zu diesem Zeitpunkt eher Sehschlitzen ähnelten! Im Anschluss an die Sortierung kam dann die nächste Überraschung. Ich selber sollte mit Herrn Gilbert auf einem Zustellerfahrrad die Briefe zustellen gehen. Die Tage vor dem Einsatz hatte ich mich in einem schönen und warmen Auto die Briefe zustellen sehen. Ein richtiger Zusteller muss aber täglich Wind und Wetter trotzen, das wurde mir hier deutlich bewusst – nichts war es mit der gemütlichen Fahrt…

dcs: Und die Geschwindigkeit war vermutlich auch eher sportlich.
E. v. Malotki: Ja, denn Herr Gilbert hat natürlich täglich das Ziel, die Briefe schnellstmöglich und am besten vor dem gelben Briefträger zum Zielempfänger zu bringen. Das Tempo mit dem Fahrrad war entsprechend hoch. Nachmittags tat mir mein ganzer Körper weh, vom vielen Ab- und Aufsteigen. Sehr gut gefallen haben mir übrigens auch die Reaktionen der Menschen auf arriva als Briefdienstleister. Die arriva Briefzusteller haben sich im Stadtbild etabliert. Wir sind sehr oft mit Passanten in Berührung gekommen, die uns gegenüber immer freundlich gewesen sind. Ein Vater mit Kind hat uns auf der Zustellroute gesehen und seinem Sprössling erklärt, dass wir die Postboten sind. Das war schon ein toller Moment! Aber natürlich hat mich auch Herr Gilbert beeindruckt und vor allem sein Wissen zu jeder Adresse. Zudem war er auf dem Fahrrad sehr wendig und trotzdem immer um die Sicherheit der Passanten bemüht. Was nicht immer ganz einfach ist, da Mülltonnen, Baustellen oder andere Dinge die Gehsteige blockieren. Wenn viele Briefe und Werbekataloge auf dem Fahrrad mit dabei sind, ist dies ein wirklicher Balanceakt. Mein höchster Respekt hierfür! Zudem ist der Briefzusteller auch noch in der Zeit der mobilen GPS Geräte eine Quelle der Information. Wir wurden mehr als einmal nach einer Adresse oder einem Geschäft gefragt, was Herr Gilbert mit seinem Wissen immer beantworten konnte.

dcs: Dieser Tag mit dem Zusteller ist ja doch was ganz Besonderes. Können Sie etwas über die Entstehung dieses schönen Brauches bei arriva sagen?
E. v. Malotki: Ziel hierbei ist es für uns gewesen, eine Gefühl für die sehr wichtige und nicht immer einfach Arbeit der Briefzusteller zu bekommen. Schließlich handelt es sich hier um die wichtige letzte Meile des Briefes. Anfänglich sollte dies nur von den Bereichsleitern durchgeführt werden. Ich habe mich dann aber für meinen Standort dazu entschlossen, auch meine Schicht- und Teamleiter in die aktive Zustellung zu entsenden. Im Sortiercenter kennen wir nur den Weg des Briefes bis zum LKW. Alles darüber hinaus kannten wir bis dahin nur aus der eigenen Vorstellung, die nicht annähernd an die Realität herangekommen ist. Unser Schichtleiter der Produktion zum Beispiel musste im strömenden Regen mit dem Zusteller mitgehen. In solchen Momenten bekommt man Hochachtung für die Arbeit unserer Briefzusteller.

dcs: Plaudert man eigentlich innerhalb arriva ab und zu, nach dem Motto „Wie war denn Dein Tag mit dem Zusteller damals“?
E. v. Malotki: Es gab hier einen regen Austausch in unserem wöchentlich Team-und Schichtleiter-Meeting. Jeder erzählte hier stolz, wie viele Briefe er in welcher Zeit zugestellt hat und was einem so alles auf der Zustellroute widerfahren ist. Dabei kam auch heraus, dass sich meine Mitarbeiter einen kleinen Streich erlaubt hatten. Da wir im Zustellbezirk des Abendschichtleiters unterwegs waren und zwei Kollegen die Adresse des Schichtleiters kannten, machten sich die Herren den Spaß eines Klingelstreiches. Zudem wurden die Briefe der besagten Person zum Spaß beim befreundeten Nachbarn eingeworfen. Hauptsächlich haben wir uns aber über die Dinge ausgetauscht, die wir für die Zusteller konkret verbessern können und vor allem, wie wir das Bewusstsein für die Arbeit unserer Zusteller weiter ins Unternehmen tragen. Der Bereich „Zustellung“ ist mittlerweile ein ganz fester Bestandteil unserer internen Mitarbeiterschulungen.

dcs: Oft entspringen aus einem Perspektivwechsel neue Ideen. Gibt es Veränderungen, die aus den Tagen mit den Zustellern entstanden?
E. v. Malotki: Selbstverständlich. Wir haben zum einen für uns mitgenommen, welche Auswirkungen falsch sortierte oder schlecht gepackte Briefe haben und versuchen hier natürlich noch besser bei der Verpackung auf Sorgfalt zu achten. Was angesichts des enormen Zeitdrucks und den täglichen Mengenschwankungen im Sortiercenter nicht immer einfach ist. Und es fand ein Austausch über die Rücksendung der Retouren durch den Zusteller statt und wie eine schnellere Nachbearbeitung dieser Sendungen möglich ist. Der größte Effekt war aber die Erhöhung der Sensibilität meiner Mitarbeiter und natürlich meiner eigenen. Wir reagieren mittlerweile sofort bei erhöhten Mengen und informieren die Zustelleinheiten schnellstmöglich, damit die Zustellorganisation sich bestmöglich auf die Belastung einstellen kann. Schließlich gibt es kaum ein so schnelllebiges Geschäft wie das der Briefzustell-Logistik – und die guten Zusteller sind oft der entscheidende Faktor!